Es nebelt. Die nassen Wiesen ums Theater liegen im Morgenschlaf. Eine halbe Stunde habe ich noch und nutze sie für einen Besuch bei der Schlammgrube. Die Schweine sind bereits wach und rosa bis auf eines, das auf seiner Wuzhaut zusätzlich noch ganz formidable schwarze Pünktchen trägt. Die Suhle dampft, man schmatzt und wühlt, der Bauer läuft an mir vorbei und sagt Guten Morgen. Seine Frau und er- beide jung und hübsch, stehen im Gras und schauen ins Land. Nichts passiert. Es ist Sonntag.
Reglos, unsensibel aber andächtig verharren nun wir drei vor diesen prächtigen Genossen in der Jauche.
Irgendwann wird ein Sack geöffnet. Körner rieseln in den Hühnernapf. Da pesen 100 Hennen heran. Im Laufschritt! Tempo Tempo! Wer zu spät kommt ist ein Schaf.
Die Säue raunen neidisch aus dem Gatter; Die Chicks sind heut als erstes dran.
Nebenbei frage ich mich, was wohl der Bauer darüber denkt, dass jeden Tag ein anderer aus der Künstlerbande am Schlammloch steht und in die Ferkel glotzt.
Mittlerweile sind die Proben in vollem Gange, auf der Bühne das helle Treiben, in der hintersten Publikumsreihe sitzend schreibe ich, es wird hin und hergerannt, jemand schreit: Ich scheiß dir in die Nase.
Eine nächste Erkundung führt mich in die brokatne Kirche auf einem Hügel. Beim Eintreten ist sie leer. Sogleich werde ich sehr ehrfürchtig, obwohl die nackigen Babies, violetter Stuck und lächelnde Maria eher nach Stillgruppe mit fraglichem Geschmack aussehen. Gerade will ich mich davon machen, da fällt mein Blick auf eine holzverzierte Truhe. Oha- ein Beichtstuhl. Da will ich mich gleich mal reinsetzen. Aha- kein Hocker drin, man muß knien. Es riecht nach Staub und Politur- diese Kirche beichtet selten. Ich geh lieber. Doch nein! Man sollte doch fast einmal ausprobieren, wie sich ein Priester so fühlt. Hinein ins Abteil für den Vater- der hat einen Hocker und Sitzkissen und Lichtschalter. So, jetzt sitzt man da und lugt duch das Gitter zum Sünder hinüber. Mhm, man kann gut durchsehen. Da gibts auch einen Schlitz, wo man einen Zettel durchschieben könnte.
“Tochter, dir sei vergeben. Sei brav. Mäßige deine Glut…” meine Güte, habe ich schlechte Filme gesehen. Plötzlich überfallt mich Angst. Wenn jetzt jemand kommt?! Zum Beichten! Raus hier!
Trottel über die sonnengestärkten Felder. Ich finde Beichten an sich toll. Bloß halt nicht in so einem Schrank bei Wildfremden. Aber bei Janna, S. oder dem Meistro, ah sehr gern. Da wirds gleich viel leichter um die Brust. Da spreizen sich die Sinne, die Knochen jucken, der Geist lacht und dann die Ideen, die man auf einmal kriegt!