Hab das ein Jahr lang in mich reingefressen. Jetzt wo es in der Zeitung steht kann ich mich aufraffen diesen Dreck in Worte zu fassen.
Da wären wir nun. 24. Jack Bauers grandiose Karriere kulminiert in einer Debatte über “legitime Folter”. Wie kommt es eigentlich zu einer flächendeckenden Gesinnungsströmung? Wer steuert meinungsbildende Maßnahmen, die erforderlich sind, um die Überheblichkeit gewisser Personen/Nationen als Recht und Notwendigkeit zu kostümieren? Im Falle der amerikanisch westeuropäischen Gesellschaft reicht dazu schon die Nutzung und Gestaltung eines aufregenden Abendprogramms, in dem einsame Helden mit einem pfiffigen Team (korrekt eingehaltene Frauenquote) Terroristen bekämpfen die, wer hätte es gedacht, innerhalb 24 Stunden, Jack Bauers hübsche Welt zerstören wollen. Nun. Hoher Zeitdruck, geringe Wahrscheinlichkeit auf Erfolg und das Schicksal Millionen unschuldiger “Amerikaner” lassen Jack Bauer seine Lieblingsbeschwörungsformel “Trust me!” sprechen und wenn das nicht hilft, halt ein bißchen foltern. So blöken dann auch Iraksoldaten bei Vernehmungen zu ihrer Täterschaft:” Aber der Jack Bauer..” Soso. Wollen wir mal nicht auf ein “paar” mental herausgeforderten Soldaten herumhaken. Bleiben wir lieber bei uns selber. Kleine Übung zur Stärkung der Vorstellungskraft: Foltergeständnisse, das weiß man, auch wenn mir spontan keine Prozentzahl einfällt, tragen keinen bis geringen Wahrheitsgehalt. Innerhalb 24 Stunden wird auch kein noch so engagierter Cop einen terroristischen Anschlag vereiteln, geschweige denn, dass er darüber im Bilde ist, gegen wen oder was er da gerade kämpft.
Ist alles nicht schlimm. Nur Film. Da sterben keine echten Menschen. Hin oder her; Jack Bauer wird sauer. Was sonst nur den Bösen vorbehalten war, ist allmählich in das Ermittlungshandwerk der Saubermänner gerutscht. Da wird mit Zange, Messer und Elektro gehobelt, geschabt und vernommen. Am Rande bemerkt; es schert mich nicht, dass zu allen Zeiten an wechselnden Schauplätzen der Erde gefoltert wurde und wird, sondern dass seit 2001 Leute aus “meinen” gesellschaftlichen Kreisen glauben, dass sie ein Recht darauf haben, zu unser aller Bestem. Es ist ja nicht so, dass sich Generationen vor uns um eine Verfassung bemüht haben, die die Menschenrechte wahrt, ne da stehen wir drüber. Katapultieren uns innerhalb sechs Jahre zurück in eine Agenda getarnter Hochkrimineller, die nicht unsere Sicherheit wollen, auch wenn sie das tausend Mal sagen. Aber was solls? Amerika ist traurig. Da hat man nun Milliarden in eine Stadt gebombt und was is? Nix. Normalerweise kriegt man doch was für sein Geld. Kein Film. Kein Soundtrack. Behinderte Veteranen und langweilige Nachrichten. Doch dafür gibts Jack. Der besorgts den Verbrechern. Liefert Geständnisse, Lösungen und national sowie personal success. Regeln müssen gebrochen werden, damit Regeln wieder eingehalten werden. Im Zweifelsfall steht der engagierte Einzelne über der Verfassung. Ein angenehm wohlig warm Gefühl im Bauch, gemengt mit Abendessen. Wir dürfen das. Wir sind stark. Ja. Und das mein lieber Freundeskreis geht an deine Adresse: Wir schauen uns eine Menge unterhaltsamer Scheiße an, vor allem ich, aber dennoch: dein blödes infiltriertes Gesicht kotzt mich an.