Im Zugabteil am Feiertag in tiefste Gefilde bayrischer Ahnen von Seiten Herr S. Auf den zwei Viererplätzen im Waggon , die ich überblicken kann sitzen 3 Männer, 3 Frauen, 2 Laptops, 1 Scooter und 1 Gehstock. Mir gegenüber sitzt ein voll ausgerüsteter Sozialpädagoge, entwirft auf seinem poppig beklebten Notebook die Spielparcours für das Kinderfestival, bei dem er für die technischen Details zuständig ist. Neben ihm angelehnt der Roller- swiss design. Rechts von mir Paris Hilton Verschnitt, liest eine glamournde Illustrierte- sei`s gegönnt und sortiert die Zettel in ihrem Portemonnaie. Seitlich sitzt S., Diplom tippselnd, versunken. Links von ihm süße 30-er Brünette, die Bedienungsanleitung ihrer Digicam studierend. Abwechselnd Blick auf Anleitung und Knöpfe der Cam. Wow. Ihr gegenüber das Prachtexemplar; ein Greis. Schon ist er da, der Klos im Hals. Wenn mir nicht jeder Doktor einen handfesten Mangel attestieren wird. Der Greis, auf seinen Stock gestützt, betrachtet wissentlich die vorbeiziehende Landschaft und einmal ganz kurz meinen Busen, unsere Augen treffen sich, wir nicken uns zu und schmunzeln, es ist ja auch egal. Und Ane Brun singt in mein Ohr bitter tropfende Lieder, dass einem der heiße Schmerz bis in die Schuhe läuft. Auf einmal habe ich Gnade für die Kleinbürgerlichkeit dieser Felder, Häuschen und Filterkaffeemenschen da draußen und will selber nichts mehr, auch nichts mehr Besonderes sein.
Der Pädagoge verliert einen Moment seine Konzentration, starrt auf meinen kauenden Mund und telefoniert dann mit seiner Mitarbeiterin: “…geh ma zum Edeka und besorg Tütensuppen, Wir machen Spring`2007 sucht den Suppenstar!” Je länger ich die Runzeln des Opas anschaue, hoffe ich, dass es ihm gut geht und er weiß, wo er hin gehört und auch Paris Hilton und der gesamte Waggon. Und dann krieg ich mal wieder Lust zu beten, dass sie heiter sind wenn sie sich morgens die Beine rasieren und nicht allein, wenn das Hustenleiden schlimmer wird und Frieden finden mit den leisen Feinden in ihrem Kopf. Quatsche den Opa dann doch an und rede belanglose Sachen mit ihm, weil ich immer denke, die Demenz schreitet schneller voran, wenn man nicht mit ihnen spricht. Was eigentlich eine geile Verantwortung, zu dem Gelingen des Lebens meiner Mitmenschen beitragen zu dürfen, einen verschwindend geringen Teil, aber …ja. Spinoza taucht wieder im Hirn auf und mit ihm die Juden des 16 Jhd., die nicht den Schritt in die Moderne geschafft haben. Die hängen geblieben sind auf ihrem Verständnis von Mythos, und Logos nicht miteinbeziehen konnten. Und die Ersten, die dann doch Logos miteinbeziehen wollten und ausgeschlossen wurden und verzweifelt sind und sich in den Kopf geschossen haben. Klos Nummer Zwei. Was ist eigentlich mit den Verzweifelten? Einige geraten in die Schneise unvereinbarer Widersprüche; bersten an dem Riss, den etwas Größeres, manchmal Zeitgeschichtliches in ihnen hinterlassen hat. Andere kitten, schmieren sich voll, dass einem schlecht wird und leugnen, dass “die Welt im Wandel ist, ich spüre es im Wasser.” (Zitat Galadriel). Bei Gelegenheit Benni (hardcorebenni) wenn du noch weißt wie auf elbisch der Galadrielspruch geht, dann sags mir.