Tod und Verderben

wir haben es nicht nötig

May 28th, 2007

Sonntag, 11 Uhr, auf dem Balkon ein paar Menschen, Zeitung und Kaffee, als es beginnt zu regnen. Wir spannen die 7 Regenschirme auf und warten. Ich hatte einen antiken braunen Schirm mit Troddeln; begehrt betrachtet von meinen Gästen doch wesentlich undichter, als die grünroten Werbegeschenke aus unserem rottenden Schirmständer rechts vom Klo. Sehr laut ist es unter prasselndem Wasser. Laut genug, dass es nicht viel Sinn macht, sich schreiend zu unterhalten. Sind wir also still gehockt und ins Land geschaut. Anita äußerte Bedenken, wegen der Blitze und der Schirmspitzen, ob das Metall die Wahrscheinlichkeit erhöht und so weiter. 1 zu 49 000 habe ich zu ihr gesagt. Dann ist das Gewitter ein Stadtteil nach nebenan gezogen und es wurde wieder heiß. Gut abgepasst war auch, dass der Michi als erster von den Brunchern eintraf und wir eine Stunde alleine sein konnten. Nicht wach, aber bedacht und lautlos Milch nippend besprachen wir ein höchst abstraktes Thema religiöser Natur, waren dabei vielleicht nicht die Schnellsten, wenn doch gründlich. Zwei Schildkröten in der Abendsonne. Morgensonne. Schreibe das alles nur, um mich vor einer Aufgabe zu drücken, die mir seit drei Tagen auflauert. Fürchte mich gehörig und überlege mir wahllos Wohnungen bei Immoscout24 anzuschauen. Auch essen wäre möglich. Oder ein weiterer podcast über interessante Grafen und Fürstinnen aus Schweden und Dresden, die ihre Region aufgemsicht haben. Es wird nicht helfen. In einer halben Stunde bin ich fix und fertig mit den Nerven. Ergebe mich lieber gleich.

May 22nd, 2007

everbody tells a story (wahrscheinlich war das die Überschrift auf einem Plakat. wahrscheinlich werbung für eine Tanzvorstellung)

Da ist mir eine Frau über den Weg gelaufen und hatte ein Oberkörper, als hätte ihr einer mit einem Vorschlaghammer gegen das Brustbein gedonnert. Die sah von der Seite aus, wie ein C. Und hatte auch immer die Arme vor sich verschränkt, dass ich mich gleich mitunwohl gefühlt habe. Und ein Windhund, mit einem eingezogenen Schwanz, der war so eingezogen, dass es gar nicht mehr wie ein Schwanz aussah und meine Kollegin neben mir sagt: Der hat mehr Schläge gekriegt als Fressen. Und an mir selber gucke ich runter, wie ich flach atme und die Schultern nach vorne lege um gegen alle Eventualitäten des Lebens schon mal gewappnet zu sein. Probiere mal aus, die Schultern nach hinten zu tun und einzuatmen wie wenn alles gut wäre.

May 21st, 2007

Ich werde für immer gesund sein

Heute ist etwas passiert. Alle aus der Wg sind im Urlaub an einem See in Italien und ich bin zu Hause. Da habe ich dann in der ganzen Wohnung Dokumente ausgebreitet und Stapel gemacht für die vier Behörden, bei denen ich was einschicken muß. -Wohngeld-Kindergeld-KSK-Krankenversicherung. Und dann sind Staubflusen über die Papiere gewandert. Dann habe ich mit dem Staubsaugerrohr unterm Bett gesaugt. Dabei hatte ich die Idee den Matrazenbezug wegzumachen und zu waschen, also nicht das Laken, sondern den Matratzenbezug, den man nie weg macht. Dann bin zu Tode erschrocken, weil der innen voller Staub und Sand war, daumendick. Den Lattenrost habe ich dann auch noch weggeschafft und alles blitze geputzt, weil ich so erschrocken bin. Wahrscheinlich hatte ich all die Krankheiten wegen dem daumendick Staub.

Aber nur um aufzuzeigen, dass ich auch nicht so werden will, wie jemand, erzähle ich was anderes. Meine Nachbarin, die ich beobachte, die nicht viel älter als ich ist und die ich das Pferd nenne, wäscht jeden Tag einen Korb wäsche. Sie hat einen anstrengenden Job, der Geld abwirft und hängt dennoch ab 22 Uhr elend und erschöpft im fahlen Licht der Designerlampe ihre Hemden hin. Alle in der Volkartstraße haben eine Vereinbarung miteinander haben, dass wir uns gegenseitig beobachten, besonders die Putzfrau vom Pferd, die mich Dienstags beobachtet. Und einmal habe Dienstags nach dem Duschen in der Unterwäsche gesungen und mich dabei im Spiegel angeschaut, weil ich dann doch eine Minute glaube, dass aus mir eine hübsche Musikvideodarstellerin hätte werden können. Jedenfalls habe ich mich singend und leicht bekleidet zum Fenster gedreht und in das Gesicht der starrenden Putzfrau vom Pferd geblickt. Langsam, sehr beiläufig bin ich aus ihrem Blickfeld geschritten.

Jetzt der wichtige Teil, warum ich überhaupt schreibe: Heute abend hat die Pferdefrau Besuch; männlich. Er ist in die Küche gekommen und hat sie geküsst, so laut, dass es durch das offene Fenster geknallt hat. Er war schon öfter da, aber immer gezügelt und Konversation, dass ich dachte er ist verwandt. Jetzt wo er sie geküsst hat, schöpfe ich Hoffnung, dass er Dreck machen wird und Wäsche da läßt und das Pferd und die Putze gar nicht mehr nachkommen mit Sakrotan sprühen und meine Nachbarin aufgibt und ihren Zwang überwindet und lacht gegen 22 Uhr und nicht mehr im fahlen Licht der Lampe steht.

May 17th, 2007

S. will gerne, dass ich mich in einem Forum umhöre, ob es günstige Krankenversicherungen für Schauspieler gibt (außer Künstlersozialkasse, da kommt man nur rein, wenn man selbstständig Stücke inszeniert oder wenn man berühmt ist).
Ich habe mich lange gewehrt, und es schließlich doch getan. 3 Tage später hatte ich auf meine Annonce hin in dem Forum einen Haufen Kommentare von Idioten.

V: Die haben mich angepöbelt in dem Forum.
S: Hm?
V: Die haben erst uninformierte Scheiße geschrieben und dann hat einer gesagt: “Was für eine Art Schauspielerin muß man sein, wenn man nicht in die Künstlersozialkasse kommt?” Das hat der schlüpfrig gemeint.
S: So was kommt vor.
V: Dann hat der andere geantwortet: “Sogar blabla- irgendeine Dumpfbacke wäre in der Künstlersozialkasse.”
S: Nicht aufgeben.
V: Ich hab dir gleich gesagt, dass dort nur Idioten sind. Das mach ich nie wieder. Warum reden die über Versicherungen, wenn die keinen einzigen Fakt wissen?
S: Das nennt man Trolle.
V: Trolle.
S: Das sind Leute, die sich in Foren rumtreiben und jemand anmachen.
V: Was ein armseliges Dasein. Aus Langeweile?
S: So was gibts. Es gibt viele Geeks. Es gibt Foren für  guten Wein in Discountern, Ahnenforschung, manche sind gar nicht schlecht, aber man muß schon ein Geek sein, Blumen, Torten, Handyforen…
V: Ich hasse die alle.

May 15th, 2007

U-Bahnzählung Hauptbahnhof

Ein junger Araber führt seine Freundin über das Gleis. Sie ist schön und schillernd, er stolz wie ein Pfau, dass einem nichts übrig bleibt, als zu schmunzeln und es ihm zu gönnen.

Ein orthodoxer Jude liest in einem winzigen hebräischen Büchlein, zu schnell muß er einsteigen, zu schnell, als dass ich ihn willkommen heißen könnte. Mit Sicherheit ist er Pole. Wegen den Strümpfen- Naomi hat es mir erklärt.

Ich lese `Kleine Geschichte des Islam von K. Armstrong. Mir steigen die Tränen in die Augen, weil sich aus den Puzzleteilen in meinem Hirn endlich mal wieder ein Bild zusammenfügt- oha, wie ich das vermißt habe.

Ein wunderschöner asiatischer Jugendlicher lugt in die Bildzeitung seines Sitznachbarn und trägt eine ähnliche Brille wie ich. Ich blinzele ihm zu, aber er merkt es nicht.

9:10 Rush hour is vorbei. Die Fracht im Büro und der Bahnsteig leergefegt, mein Mantel wurde zum Glück nicht geklaut. Ich muß nämlich immer kurz von der Bank am Gleis aufstehen und zum Waggon laufen, um die Insassen zu zählen und da wird dann geklaut. Der Mantel ist mein schönstes Stück und Felix sagt, dein einzigstes.

May 11th, 2007

2 x von Tobias K. geträumt,
Hinterhöfe besichtigt und Touristen den Weg gezeigt. Daran gedacht, dass Janna sagte, das größte Beürfnis eines Menschen sei es, einen anderen zu bereichern. Oder war es- zu retten?
Einen Stapel Bücher ausgeliehen, in der Hoffnung ihn zu lesen. Werde eines lesen. Jedesmal.

May 10th, 2007

Ein Hüne. `Privacy is no crime´steht auf dem leuchtend roten T-Shirt, das er trägt. Das Armband vom Freakstock 06 um sein Handgelenk. Er ist groß. Er reicht nicht bis zur Decke des U-Bahnabteils, aber es wirkt fast so. Eine Laptoptasche baumelt um seine Schulter, ein bißchen spießig, ein bißchen. Wahrscheinlich wäre er eine Superpartie für ein Mädchen, das über 1,80m ist. Leicht gebräunt, als hätte er einem Freund, in der Hitze eines Apriltages, beim Umziehen geholfen. Keine Sonnencreme dabei gehabt. War auch eigentlich noch zu früh im Jahr für so ein Wetter. Er verschwindet im Ausgang der Mailingerstraße. Hat mich gefreut, ihn zu entdecken. Wegen des T-Shirts.

May 9th, 2007

“Warum wolltest du mir nicht vertrauen in dieser Hinsicht?”

“______  ”

“Weil du eingeschüchtert warst wegen der Schwierigkeiten?”

” ______  ”

“Ich steh da drüber. Du auch.”

May 8th, 2007
May 7th, 2007

060507 Stiere feiern fernab

Profitiere in anhaltend stiller Freude von Sonntagnachmittagen. Nach einem verkraftbaren 2 Stunden Job meinerseits gesellt sich Arne ins Haus. Er weiß von neuen Einsichten aus seinem Gedankengut zu berichten, trinkt den Espresso schnell und breitet die Arme aus, um anzudeuten, wie sehr ihn die Einsichten beschäftigen. Als nächstes trifft ein; Herr S, zuhörend, wenig gestikulierend und Jona, eine Mülltüte verlangend, eilig wieder zum Roller laufend, um den Sattel abzudecken, wegen dem Regen. Dann hört es auf zu regnen und wir besuchen eine Galerie um die Ecke, in der uns ein Italiener in dem Dresscode, den man von einem Fotografen erwartet, seinen Arbeitsplatz zeigt. Es ist unterhaltsam, ich würde zwei der Bilder kaufen…man muß die Lokalninjas unterstützen, ohne sie wird jede Stadt zum Plattenbau. Jona wird auch den übrigen Abend nichts anderes tun, als seine Hose zu nähen, zu kochen und wenig Worte zu machen, dafür kann ich ihm viel erzählen, werde gehört und esse mit. Und die anderen auch. Es schmeckt gut und hinterher Biddies.
A: Ja, aber was ist die Aussage von dem Video?
B: Wir sind Freunde, es braucht keine Aussage.
A: Aber bei der Arbeit fragen sie mich auch immer: gut, und was ist jetzt die Aussage?
B: Wir machen keine Aussage.
A: Und was ist bei dem anderen Video die Aussage?
B: Auch keine Aussage.
A: Keine. Okay.

Schwemme ins Bett. Zögere Einschlafen hinaus, damit der Montag weiter wegbleibt. Gleich bringt es nichts mehr. Morgen versuchen, im Callcenter zu sein, wie am Sonntagnachmittag. Vielleicht geht das.