Sonntag, 11 Uhr, auf dem Balkon ein paar Menschen, Zeitung und Kaffee, als es beginnt zu regnen. Wir spannen die 7 Regenschirme auf und warten. Ich hatte einen antiken braunen Schirm mit Troddeln; begehrt betrachtet von meinen Gästen doch wesentlich undichter, als die grünroten Werbegeschenke aus unserem rottenden Schirmständer rechts vom Klo. Sehr laut ist es unter prasselndem Wasser. Laut genug, dass es nicht viel Sinn macht, sich schreiend zu unterhalten. Sind wir also still gehockt und ins Land geschaut. Anita äußerte Bedenken, wegen der Blitze und der Schirmspitzen, ob das Metall die Wahrscheinlichkeit erhöht und so weiter. 1 zu 49 000 habe ich zu ihr gesagt. Dann ist das Gewitter ein Stadtteil nach nebenan gezogen und es wurde wieder heiß. Gut abgepasst war auch, dass der Michi als erster von den Brunchern eintraf und wir eine Stunde alleine sein konnten. Nicht wach, aber bedacht und lautlos Milch nippend besprachen wir ein höchst abstraktes Thema religiöser Natur, waren dabei vielleicht nicht die Schnellsten, wenn doch gründlich. Zwei Schildkröten in der Abendsonne. Morgensonne. Schreibe das alles nur, um mich vor einer Aufgabe zu drücken, die mir seit drei Tagen auflauert. Fürchte mich gehörig und überlege mir wahllos Wohnungen bei Immoscout24 anzuschauen. Auch essen wäre möglich. Oder ein weiterer podcast über interessante Grafen und Fürstinnen aus Schweden und Dresden, die ihre Region aufgemsicht haben. Es wird nicht helfen. In einer halben Stunde bin ich fix und fertig mit den Nerven. Ergebe mich lieber gleich.
