abra ke dabra (Hebräisch: ich werde erschaffen – wie ich es sprechen werde)
Hallo. Ich habe mein Handy verloren, bitte ruft mich nicht darauf an. Es ist in Hamburg in einer Sofabar in die Sofaritze gerutscht und ich habe es nicht gemerkt, bzw zu spät. In Hamburg hat es mir gut gefallen
Die meiste Zeit in Hamburg ging so: Janna steht auf, trinkt eine Buttermilch und bewegt sich, gesteuert von einer non stop Choreographie in ihrem Kopf, über den Küchenboden. Ich sehe ihr dabei zu. Janna ißt Marmerladenbrötchen, duscht und singt dabei einen baumwollpflückenden Gospel, um alles zu beklagen, was der Welt und ihr und mir aufgeladen wurde. Sie springt aus der Dusche, ist sehr regeneriert, packt Lesestoff in die schwarze Umhängtasche und organisiert das Geld für den Tag. Prgamatisch geht es weiter. Das Fahrrad wird vorgefahren, ich werde auf den Gepäckträger geschnallt und rasant über die Bürgersteige von Ottensen gefrachtet. Wir kommen zur Elbe, wir sitzen am Sandstrand, wir laufen durch Altona, wir treffen immer Menschen, die sie kennt und haben mit ihnen gesprochen. In einem Probenkeller von drei Jungs, von denen einer Jesus heißt, machen wir Musik, wobei ich Schlagzeug spiele und Janna singt und H. Gitarre, es ist lustig und geben uns gegenseitig Interviews. Janna ist immer die Moderatorin und ich immer der Star. H. darf mir Fragen stellen und ich gehe aufmerksam auf seine Fragen ein. Gegen zwei Uhr erzählt uns H. Gruselgeschichten, was mir Angst macht, aber ich fühle mich trotzdem sicher und er hat eine Katze, namens Marie Luise. Nachts essen Janna und ich nochmal. Im Norden wird es früher hell, deswegen tschilpen ab drei Uhr fünzig die Vögel im Hinterhof. Man muß die Fenster zumachen und tief schlafen.
Morgen dann Hamburg. Es schmeckt sehr lecker, wenn man Wasser mit Wein mischt und viele Eiswürfel rein tut. Wieder knapp gegen S. beim Tischtennis verloren. Wir haben jetzt eine Privatplatte. Die liegt im Hinterhofgarten einer Wohnanlage, in der nur Omis und uralte Katzen leben. Deswegen kommt niemand dort hin, außer mir, weil ich alle Hinterhöfe in Neuhausen kenne, weil ich die mir immer anschaue. Ich habe auch einen verwildertes Grundstück mit einem phänomenalen Blumenmeer und Bambusweide entdeckt. Da wohnt niemand. In sechs Wochen kommt der Buldozer und baggert eine Baugrube rein. Bis der kommt, hole ich mir dort jetzt Dalien und Lavendel und schau den Bienen zu, wie sie auf den Rosen sitzen. Jedenfalls die Privatplatte von mir und S. liegt im Hinterhof der OmaWohnanlage und wir stellen uns vor, dass sie jeden Tag warten bis wir mit den Schlägern und dem Netz antraben und äußerst unterhalten hinter den Gardinen ein Auge auf uns werfen. Leider verliere ich zum zweiten Mal in Folge sehr knapp mit 21-19. Nach 11 Matchen. Matches. Wie heißt die Mehrzahl von match? Bis Samstag bin ich also in Hamburg.
Mir gehts wieder besser. Folgende tolle Dinge sind passiert. Ein deutscher Abenteurer und seine Lebensgefährtin haben es nach jahrelangem Bemühen hingekriegt, dass sich islamische Wortführer, Imane (darunter auch dem Westen unfreundlich gesinnte hardliner) und Mediziner in einer Universität in Kairo treffen, diskutieren und offiziell beschließen, dass die Beschneidung von Mädchen vom Koran verurteilt wird, denn…” jede Kreatur wurde von Gott vollkommen geschaffen und darf nicht verletzt werden”…. so ungefähr der Wortlaut, ich habs nicht mehr genau parat. Im Folgenden möchten sich die Teilnehmer für einen Gesetztesentwurf dafür stark machen. Allein in Ägypten werden jährlich über 400 000 Mädchen beschnitten. Die Konferenz diskutierte diese Frage jedoch nicht nur für Ägypten, sondern für die gesamte muslimische Welt. Selbst wenn die Umsetzung dieser neuen/alten Satzung Jahrezehnte brauchen sollte, macht sie einen großen Unterschied für die unterschiedlichen muslimischen Länder, besonders für Afrika.
Habe die Berichte dazu bereits vor zwei Wochen irgendwo gelesen, konnte aber nicht gleich darüber schreiben. Vor zehn Jahren habe ich angefangen mich mit dem Thema zu beschäftigen, war aber meist schon zernichtet, wenn ich mir nur die Statistiken dazu angesehen habe, daher gar nicht erst versucht, öfter darüber nachzudenken. Deswegen ist es für mich unglaublich, dass jemand tatsächlich auf diesem beinharten Sektor durch Bemühen und Hoffnung und was weiß ich, Fortschritte erzielt.
Bis Samstag halte ich noch durch, dann muss jemand bei mir den Hebel umstellen, sonst funktioniere ich weiter wie der Duracell Hase. (Werbung aus den 80´ern. Das kennt der Felix wahrscheinlich gar nicht) Habe mir viel Arbeit aufgehäuft die letzten Tage, zuviel… wieder mal zu spät bemerkt. Verstehe, dass Leute die in der Gastronomie nach 18 Stunden arbeiten, anstatt ins Bett zu fallen, trinken und tanzen gehen, weil sowieso alles egal geworden ist und weil man sich abgewöhnt hat, auf den japsenden Körper zu hören. Werde also am Samstag um 21 uhr die verdammte Stechuhr aus meinem Kopf reissen und bitte ruft mich dann nicht an noch sonst was.
Melde mich zurück, nach Hamburg, wenn ich so erholt bin, dass ich vergessen habe, was unter dem Begriff `Marktforschungsinstitut´zu verstehen ist. Ach ja. Unter www. harrison. de gibts wieder Kohle. Wer sich Medikamente ins Hirn ballern lassen will, rufe dort an.
Nach einem ausgehungerten und heißen Tag, als die Nachtkühle eintritt, Thainudeln essen, im Schatten der Bäume. Schwer und leise ist die Nacht mit hellem Gelächter vom Säulengang am Königsplatz, dort sitzen die Studentenhorden, auf dem noch warmen Stein.
Die Frau, die uns die Nudeln schöpfte, lächelte wie Pflaumenwein, dass man ihr sein ganzes Münzgeld in die Schürze schütteln will. Hoffentlich geht der Laden nicht ein.
Als wir drin standen, wir waren die letzten Gäste des Tages und wollten nur was mitnehmen, zog Dampf aus der betriebsmüden Küche, ein Thai sah heraus, redete mit ihr. Sobald wir draußen sind werden sie putzen, mit stechend scharfem Mittel aus einem weißen Kanister, dann selbst essen; schweigend über die Schalen gebeugt. Ich habe es oft gesehen nach 23 Uhr.
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Musik für jüdische Katzen und ….wir haben viel Liebe zu geben…
“Love one another. In the same way I loved you, you love one another.”
Jesus, Johannes 13/34
Werde nun bald nach Hamburg fahren, noch 18 Tage bis dahin, dennoch schon große Freude und auch weil Samstag ist und ich mindestens zwei lesenswerte Bücher habe, sowie den i-pod von S. Mit den technischen Geräten ist das bei uns wie mit den Kleidern aus denen die älteren Geschwister rausgewachsen sind, die man dann kriegt. Eine Japanerin hat einen 10 qm französischen Törtchenladen aufgemacht, dort gibt es glitzernde Kuchen und Milchshakes ohne Zucker. Seid einigem Nachdenken Beschluß gefasst, die lokalen heros zu unterstützen, deshalb ist heute die Japanerin dran. Morgen dann ein Türke(?) der einen Imbiß gegenüber dem Cinema eröffnet hat: orientalische und bayrische Snacks. Den muß dann der Arne unterstützen.
Ein zeitintensives Hobby nimmt mich in Anspruch. In dem Siff-Park die Straße runter, wo Stadtmenschen um 18 Uhr ihre Hunde durchjagen und Spielplätze gekonnt veröden, befindet sich eine Tischtennisplatte. Ein robustes Modell aus den 60er Jahren; Beton und Eisengitter hält Zerstörungswut stand und dient genügsam mittelmäßig begabten Kids, die sich in ihren ersten Versuchen als whole train Sprüher ergehen. Auf dieser Platte also, mit zwei Schlägern zu je 7,95 Euro liefern S. und ich uns nun sommerabendliche, blutige fights. Sicher sehen wir dabei etwas dümmlich aus-Tischtennis ist kein Sport, der einen schöner macht- im Gegenteil, man braucht einiges an Selbstbewußtsein, um sich bei vollem Einsatz für attraktiv zu halten. Wobei ich glücklicherweise nicht selten gewinne, denn es geht um die Ehre und um eine Rückenmassage, die dem wakren Sieger als Preisgeld winkt. Auch die ansässige Gegnerschaft, bstehend aus arbeitslosen Frohnaturen, stellt eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Ist doch dieses Team von morgens bis abends aufgewärmt und kommt praktisch nie aus der Übung. Erfreut erforsche ich unterdessen mein komplett ausgebildetes Aggressionspotential- durchschreite die Stadien von Trotzen-Fluchen-Unansprechbar sein-etwas kaputt schlagen in Folge der seltenen doch um so schmerzhafteren Niederlagen. Erschüttert über und dennoch dankbar für meine intakten emotionalen Funktionen mache ich mich auch jetzt eben auf den Weg zur Platte, denn in 1 Stunde wirds dunkel und eine Laterne scheint dort nicht.