Pünktlich zum Oktoberfest startet die Flutung der Stadt mit eigentümlichen Sehenswürdigkeiten. Ein Dirndl kostet jetzt nicht mehr 159 Euro sondern 39, optional neonfarben und kurz genug, um leicht übergewichtigen Teenagerpopos Kühlung zu verschaffen nach den langen Stunden auf durchgebogenen Bänken im Zelt. Nicht allein die Popos interessieren mich, sondern auch der rotbackige Gemeinschaftsgeist, der auf Kommando allerorts ersteht und wieder, wie im Geschichtsunterricht vor zehn Jahren überfällt mich dieses wohl bekannte Grauen mit der Frage: Wie konnte das alles nur geschehen?
Glücklicherweise ist es diesmal nur der Alkohol und keine Ideologie, dennoch rumort es in meinem Bauch und lasse mir aber nicht den Apettit verderben, mal ganz beiläufig über das Volksfest zu schlendern.
Werde keine gute Figur machen dabei. Bin ein bißchen zu mager, um als Einheimische durchzugehen und schaffe es auch nicht (trotz halber Liter Roter vorher) einen Rock mit Schürze anzuziehen. Laufe also, man könnte sagen, provozierend saupreusisch durchs Gemenge, bahne mir den Weg zum Mäusezirkus, von dem ich gehört habe, er soll gut sein.
Im Mauszirkus ziehen zwei Mäuse eine Kutsche und die dritte sitzt in der Kutsche, wie in dem Aschenputtel Bilderbuch, nur dass da die Cinderella in der Kutsche saß. Gleich werde ich S. und Susi und vielleicht Nina treffen und mit Marken von einem der Beziehung hat, Freibier und gebratene Enten kriegen und denk immer an Bruce, wie er während der Schauspielschule sagte: Angucken,merken, am Montag nachspielen.
Da war mir unser Besuch letzte Woche schon lieber. Es ist nämlich wieder eine unserer Freundinnen einem Portugiesen in die Hände gefallen, er ist sanft und lustig und sieht aus wie man es sich vorstellt und heißt Miguel. Dieser Miguel hat also bei uns gewohnt und plötzlich auch noch ein Australier und ein Brasilianer (zur Wiesn hat man viele Freunde). Anita und ich konnten wieder unsere Turbogastfreundschaft unter Beweis stellen, noch während die unerwartet Hereingebrochenen in der Küche einen heiß gebrühten Latte Macciatto tranken, rissen wir Bettzeug von vier Matratzen, spannten im Zweier neue Laken drauf, versteckten Unangenehmlichkeiten unter Schränken und Vorhängen, warfen je ein frisch gewaschen und gestärktes Handtuch auf Kopfkissen, um 2 Minuten später die Touristen ins “Gästezimmer” zu bitten.
Jedenfalls haben wir mit Miguel einen schönen Abend bei uns zu Haus verbracht und gesungen und Anitas Kopf immer auf dem Tisch weil sie wenig verträgt und Miguel sehr gelacht über das Wort Kakerlake.
