Tod und Verderben

wir haben es nicht nötig

October 31st, 2007

Versorgungslinien stören

Ein Propellerventilator, der gut und gern schon die Büroräume der Wehrmacht belüftet hat, dreht Mundharmonikamusik durchs Hardenberg. Wir setzen uns. Janna schildert lebhaft die Erlebnisse ihres Traums von letzter Nacht. Am Nebentisch schreckt ein Student(?) aus seinen Notizen (?) hoch und stiert uns geschlagene drei Sekunden lang an. Ich lächele so ländlich und harmlos wie ich kann.
Es beruhigt ihn wenig, spätestens nachdem Janna einmal laut lacht, reißt er seine Mappe vom Tisch und stürzt aus dem Lokal. Ich ducke mich tiefer in den Sessel und versuche mir zusammen zu reimen, warum man hier leise sein muß. Ich orte ein weiteres Indiz: Aus dem palm unseres linken Banknachbars sagt eine Chinesin: ping ping – worauf er ping ping sagt. Gott bewahre, wir sind in einem Unicafe gelandet.
Schon trabt das nächste Exemplar heran; Ende zwanzig, Rollkragen, Koteleten wie Abraham Lincoln. Im Schlepptau ein armes Opfer, das sich, als ich schon drei mal auf dem Klo war noch immer anhört, warum the Germans more so and so sind wohingegen the Americans more like… you know sind.
50 Euro gefunden. Lieber Herr oder Frau Berlin, ich danke dir. Vielleicht verliere ich auch mal was für dich und will dann nicht sauer sein. Bei Jannas schöner Mama gewohnt, die sogar in ihrem Alter so blendend aussieht, dass wir alle einpacken können. Ich war so hingerissen, dass ich ihr eine rosa Blume geschenkt habe. Abends in einem Tanzstück gewesen, konnte mich am Anfang nicht 100 % drauf einlassen, weil neben mir ein schwarzes Loch von Frau saß, das ungefähr jeden Zentimeter Aufmerksamkeit haben mußte, den man von irgendjemand im Raum abstauben konnte. Die hat später auch ihren Freund hergpfiffen. Und der ist auch wirklich gekommen. So eine war das.
Trotzdem war Berlin sehr schön und besonders das Museum. Janna hatte schon Vorsprung, deswegen haben wir dann nicht am Anfang der Menschheit eingesetzt, sondern bei der Aufklärung und sind bis zur Industrialisierung gekommen und in Mitte einen netten Menschen kennengelernt, der alle Monster wieder gutgemacht hat.
Danke U.

October 31st, 2007

Ich will mal wieder einen Tierfilm sehen.
In dem der Sprecher minutenlang nichts sagt.
Wind pfeift über die Antarktis.
Man sieht einen Vogel, der an einen Stein pickt. Er gehört zum Schwarm, der vom Camerateam sein sechs Wochen beobachtet wird.
Der Film soll drei oder vier Stunden gehen. Ich will mich kaum bewegen, während ich ihn anschaue. Danach kippe ich zur Seite und schlafe. Bis ich von selbst wieder aufwache.

Träume werden wahr. Morgen ist Feiertag.

October 22nd, 2007

Befremdlich

Ich bin jetzt bei meiner neuen Bank. Sie heißt Norisbank. Mußte zwei mal nachfragen. Sie heißt Norisbank. Wie Chuck Norris mit einem r.
Heute dann mal in die Filiale gegangen. Erste Überraschung. Sie liegt in der Sonnenstraße, nahe des Bahnhofs, in einem Shop, in dem sich vermutlich vorher Beate Uhse, Second Handy und zweitklassige Brautmoden einen Schlagabtausch um den Standort geliefert haben.
Als ich reinkomme wird gerade der Boden gewischt, Einrichtungsgegenstände, also ein Thresen oder etwas was eigentlich das sein soll, hinter dem die Angestellten stehen erstrahlt in nicht feng shui mäßig angeordneter Moderatheit. (Mir gefällt Moderatheit sehr gut und ich werde es jetzt häufiger verwenden) Hinter dem Schalter sitzt eine Frau mittleren Alters in einem Pullover, der mich an ein Geschenk zu Weihnachten in den 80ern erinnert. Ich stell mich vor sie hin. Sie lächelt. Ich lächel auch. Ich erkläre mein Anliegen. Sie antwortet. Ich bin von dem Pullover sehr in Anspruch genommen. Sie ist verunsichert. Wegen des Anliegens. Ein junger Vorgesetzter eilt herbei und verbreitet Aufregung, die beiden versuchen eine Lösung für mein Anliegen zu finden. Dabei sitzen sie die ganze Zeit. Es ist, wie wenn man Brötchen kaufen geht und die Verkäuferinnen würden hinter der Theke auf Bürostühlen vom Semmel zu Brotregal zur Kasse sausen.
Neben der Dame in der norisbank steht ein großer eiserner Schrank. Er hat einen Schlitz, in den man was reinwerfen kann und ein dickes Rad zum dran drehen. Ein echter Safe, denk ich. Der junge Vorgesetzte spricht mich an. Ich kann nicht gleich antworten, weil etwas mit ihm nicht stimmt. Es ist nicht, weil er Akne hat, das hab ich auch manchmal, sondern, daß das Make up, das er benutzt, eine Nuance zu dunkel ist für seinen Hauttyp. Oder eigentlich eher eine Nuance zu rosa. Ich fasse nocheinmal zusammen, was ich will, womit ich die beiden endgültig aus der Fassung gebracht habe. Sekunden vergehen. Die Weihnachtsdame guckt zum Safe und zurück, der Vorgesetzte in rosa auf seinen Kugelschreiber. Soll ich nächsten Dienstag kommen und wir gehen das in Ruhe durch? frage ich.
Sie nicken.
Prima. sage ich. Schreibe Dienstag in meinen Terminkalender und beeile mich. Es ist kalt draußen und riecht nach Winter. Bald wird es schneien und nicht nur deswegen bin ich froh, dass in meiner Bank die Angestellten ein Outfit haben, dass die vier Jahrezeiten wiederspiegelt, sondern auch weil dort Platz ist für all die freaks wie mich und all die LeidernichtganzsoProfessionellen und eine Raumpflegerin, die während des ganzen Gesprächs um meine Füße herum gewischt hat, so daß ich zum Schluß in einem kleinen, trockenen, vollkommenen Kreis in der Filiale stand.

October 20th, 2007

Darfs ein bißchen Menschenrechtsverletzung sein?
Während des Nationalsozialismus Krupp und Siemens. Heute Yahoo


October 18th, 2007

Am Donnerstag mit Janna nach Berlin. Das komplette kulturelle Programm, das andere hassen würden.
-Cafe
-Museum
-Theater

Bin schon etwas nervös. Wenn man so lange in Bayern wohnt, wo wirklich jeder seinen Hundeschiß mit Hilfe der über den Arm gezogenen Plastiktüte sofort wieder einpackt, kann einen 1 in der Mitte der Bergmannstraße thronender Haufen schon erschrecken.
Dem Edgar macht das bestimmt nichts mehr aus, latscht einfach drüber oder packt die Platiktüte aus, auch wenns nicht sein Hund war. Dich werde ich trotzdem erst im Januar treffen, Kaffee brauchst du keinen kaufen, ich bring euch sehr Guten mit und eine Espressomaschine, wenn ich Geld hab.
Habe einen Lebkuchen gebacken, ohne Zucker. Alle Diabetiker her zu mir. Dafür alles Honig und Ahornsirup reingehauen, was der dunkle Schrank, vor dem ich Angst habe, hergab.
Der Schrank war schon zu Ilonas Zeiten nie mit sich allein.
Und seit 2006 haben wir keinen Putzplan mehr.
Ich wünsche mir zu Weihnachten von Arne, dass er zu Besuch kommt und den Schrank putzt und es macht, weil es ihn fröhlich macht, sagt er. Das gilt dann auch als Weihnachtsgeschenk für diesmal und bis 2014.  Ich möchte auch Manu daran erinnern, dass sie in der ersten Woche in unserem trauten Heim auf einem Stuhl stand und alle Flächen in den Schränken gewischt hat und wir große Hoffnungen auf dich gesetzt haben.
Desweiteren, ich habe die Bank gewechselt.
Die Sparkasse ist sehr frech und hat einen häßlichen Turm, der rosa blinkt wie Lametta in Fenstern, wenns dunkel wird in Pforzheim. Jetzt bin ich bei einer Bank, die so no name ist, dass ich ihren Namen vergessen hab. Man kriegt 4, 25 % Zinsen. Ich empfehle allen zu dieser Bank zu gehen.

October 9th, 2007

Katzenfutter_und_rosarot_006_1.jpg Heute ist der Tag an dem ich bei meiner Zahnärztin war und sie sagte, dass ich ein einwandfrei gepflegtes Gebiß habe und S. sagte, dass mich das zu einer Superpartie macht und er schon immer wußte, dass ich das beste Pferd im Stall sei. Auch dafür wird er bezahlen, irgendwann.
Wunderbar war auch, dass ich das Bett aus meinem Zimmer entsorgen konnte, nämlich in das Zimmer meiner Mitbewohnerin. Ich schlafe jetzt auf dem Boden, auf einer Kamelhaarmatratze, dessen Haar eigenhändig von meiner Oma gekratzt wurde. Ich vermute, ihr wißt nicht, dass man Wolle und Kamelhaar kratzen muß auf einem Kratzbrett, bevor man es zu einer Decke oder weiß der Geier verarbeitet. Und woher sie das Kamelhaar hat weiß ich nicht, ich denke sie hat Beziehungen, das ist nicht ungewöhnlich, seit sie Alzheimer hat, hat sie viele Beziehungen, auch zu Verstorbenen und das ist schön, weil sie da wahrscheinlich noch was klären muß. Und ihre Phantasie blüht auch sehr und das ist auch schön und alle aus der Familie lieben sie und das ist das beste wenn man alt ist.
Mit dem Rausschmiß des Bettes ist ein langgehegter Traum von mir in Erfüllung gegangen. Erstens das Möbiliar in meinem Kleinstaat um ein weiteres Stück überflüssiges Klump zu erleichtern und zweitens künftig ausgezeichnet zu schlafen, was ich vorher nicht konnte, wegen Rückenschmerzen. Auf dem Boden habe ich null Rückenschmerzen. Was sicher auch mit meinem einwandfrei gepflegten Gebiß zu tun hat.
Außerdem sind plötzlich alle Touristen weg. Die Stadt war auf das fünffache ihrer Population angeschwollen und innerhalb zwei Tagen wieder in sich zusammengefallen. Verlassen guckt man aus der Wäsche wenn man auf dem Odeonsplatz steht und keiner rempelt einen an. Alleingelassen. Richtig unfair behandelt.
Derart erschlafft hängt die Münchner Dorfjugend wieder aufeinander rum und schaut trübe.

October 5th, 2007

Wieder mal trübe Gedanken und zwei Mal aus dem Fenster gebrüllt, weil die Autofahrer unten so laut rumgehupt haben. Im Gespräch mit meinen Vorgesetzten gegen eine Wand gelaufen und vier Stunden im Internet einen neuen Nebenjob gesucht. Glücklicherweise gegen Abend endlich wieder heiter geworden, einen Nachtgang durchs Stadtdorf und jemand getroffen, der auch vor sich hinsummt.

Folgenlose Güte.
Ich habe nichts geändert.
Schnell verschwindend aus dieser Welt, sage ich euch,
Sorgt doch, dass ihr die Welt verlassend
nicht nur gut wart, sondern verlasst
eine gute Welt.            (Aus die heilige Johanna der Schlachthöfe, Brecht)