Lese die Nibelungen. Da gibt es eine Kriemhild, große Ängste und ein Ysengard.
Scheine einen glimpse davon zu bekommen, in welchem Sand Tolkiens Füße steckten, als er, den Kopf in Gebirgszacken, Mittelerde zu Papier brachte.
Am 02. Dezember gehe ich in eine Vorstellung der Nibelungen. Sie dauert fünf einhalb Stunden, von 17 Uhr bis 22:30 Uhr. Felix will nicht mitkommen, weil es eine moderne Inszenierung ist und Siegfried kein Bärenfell trägt. Julia Jentsch spielt mit und Wiebke Puls, welche mit hageren 1,85m einen enormen Eindruck von einer Brunhilde vermitteln kann. Ich liebe sie. In einem anderen Stück hat Frau Puls eine Dreadlocks Perücke getragen, ein böse stelzender Besen. Sehr bewegend.
Gestern mit Gebrüder Schlegel in die Romantik gestartet, was nichts mit romantischem Abendessen zu tun hat, wobei romantische Abendessen sowieso eine widerliche Hollywooderfindung sind. Lieber probieren, wer in 10 Sekunden mehr Falafelbällchen in sein Maul stopfen kann. Die Gebrüder Schlegel also kosten mich meine sonstige Aufmerksamkeit und sind, wenn ich mich nicht konzentriere schwer zu verstehen. Was mich aber wirklich beschäftigt ist eine Frau am Bahnhof. Sie ist sehr deformiert und sitzt immer und flucht vor sich hin, dass ich Grusel kriege und befürchte sie kratzt gleich der ganzen Welt die Augen aus. Ich stehe vor zwei Tagen an dem Automaten neben ihr und überlege, wie man ihr helfen kann und während ich schon eine geschlagene Viertelstunde überlege kommt ein Mann Mitte Dreißig, stämmig, Kippe an der Lippe und wahrscheinlich arabisch stämmig, kniet sich zu ihr, gibt ihr eine Münze, nimmt ihr Gesicht in seine großen Hände und streicht behutsan über ihren wüsten Kopf. Und sie schmiegt (wirklich schmiegt) ihre Wange in seine Hand und brabbelt leise etwas in sein nahes Ohr. Er richtet sich wieder auf, klopft auf ihre Schulter, gibt ihr die Hand und winkt. Ich denke an die Islamvorlesung letzte Woche und dass der Sprecher sagte, dass Sorge für die Armen zu den 5 wichtigen Säulen des Islam gehört und ein Moslem damit seine Liebe zu Gott ausdrückt.
Ich stehe immer noch. Habe etwas verlernt.


