Hinter deiner Tür aus Papier
Steht ganz still mein Jasminklavier.
Wartet lautlos und sagt kein Wort
schenkt einer Eule Zuflucht und Hort.
Morgen Hamburg. Hätte fast einen Job im Jagdmuseum bekommen. Machs jetzt doch nicht, weil sie zu wenig zahlen. Schöne Scheiße. Hätte gern zwischen den Geweihen gesessen und Tickets an die Jägervereine verkauft, die dort Montags um 10 in voller Montur einlaufen.
Es ist wirklich eine geile Stimmung da drin. Bärenfelle und Skellete von Hirschen von früher, die fünf mal größer waren, als die Hirsche heute. Wär für mich auch nicht schlimm gewesen mich da ein bißchen reinzulesen und zu erkundigen, welche Füchse wo und wann…
Aber jetzt wirds ja nichts. Und Fische gabs da auch. Barsche und kleine Glitschige, mein Papa hätte Bauklötze gestaunt, den hätte ich natürlich umsonst reingelassen. Die ganzen schönen Vorhaben – alles hin.
Vielleicht komme ich dafür in ein Museum, das besser zu mir passt. Habe ja noch längst nicht alle abgeklappert. Nach Hamburg dann.
In unserem Bekanntenkreis ist ein neuer Mensch aufgetaucht. Es ist eine B. , deren Bruder Wildschweine in Kanada mit bloßen Händen und einem Messer erlegt und die schon eine tötliche Krankheit überlebt hat und alle Bewerbungstipss weiß und vegetarisches Essen in der Kantine bemitleidenswert findet. Ich dachte, Felix, vielleicht ist sie was für dich?
Helle Aufregung hält an. Habe noch nie in meinem Leben soviel organisiert. Gesegnet sei die Erfindung der Flatrate. Bevor ich wegen irgendeiner Wohnung oder location oder Job oder location 2 oder Job 2 oder Lehrer eine Nummer wähle, mache ich mir kurz bewußt, mit wem ich gleich sprechen werde, was das Thema ist und ob mich die Person schon kennt oder nicht.
Es hilft sehr, einen gesammelten Eindruck zu hinterlassen.
Auch in diesem Bereich setzt, wie in vielen anderen Gebieten des Lebens, eine Art Rauschzustand von zu viel des Guten ein. Als eine Freundin bei mir in der Küche sitzt, schaue ich sie wortlos an und frage mich für welchen Planungsabschnitt ich sie hergebeten habe.
Nur so, stellt sich heraus.
Heute Nacht ist mir was auf den Kopf gefallen. Neben meinem Lager an der Wand lehnt eine Matratze. Die ist auf mich drauf. Ich bin erwacht von dem Gewicht auf dem Gesicht. Weil ich sehr müde war, wog ich ab, ob es weniger anstrengend ist die Matratze weg zu tun oder mit dem Druck auf mir liegen zu bleiben. Ich mußte dann aufs Klo und so
did everything fall into place, was mein neuer Lieblingssatz ist, seit dem Film, den ich im post vorher empfohlen habe.
Lieber Felix, wie wäre Nichtstun am Donnerstag abend oder Sonntag nach icf. Vielleicht kriegen wir noch den Muskel Michi dazu und schauen einen unwichtigen Film oder ich lese dir ein Gedicht von Novalis vor. Da schlackern dir die Ohren.
Wer nirgends angestellt ist hat auch nie Feierabend. Weiser Spruch aus Angelikas Munde.
Zum Ausgleich für die Strapazen werde ich dieses Jahr jeden noch so kleinen Fliegenschiß von der Steuer absetzen. Das kann man dann, wenn man selbstständig ist und dauernd werben muß, oh ja. Habe eine schöne Mappe angelegt, da sammel ich die Tickets und Rechnungen. Mein Bruder löst es noch raffinierter; ein Karton, wo man einfach reinschmeißt: Kassenbons und Honorarbelege. Zum Schluß kommt der Karton zu einem Mann. Der guckt rein und sagt: “Ich gebe ihnen so und so viel dafür.”
Das will ich auch. Da muß ich nur noch ein bißchen reicher werden, dass ich mir so einen Mann leisten kann. Und das ist sehr erstrebenswert. Bis es soweit ist suche ich eine Wohnung. Mit Auslauf für die Katze, die man vielleicht mal haben wird, wenn man unbeliebt ist und keine Freunde mehr. Das kann schnell passieren und man muß voraus- denken. Außer man wird ein Glanz und alles wie Paris.
Und Janna, falls du es noch nicht gemerkt hast, ich schreibe ich diesen Artikel, weil ich wieder I. Keun lese.
Und an Weihnachten Bratäpfel. Alle Kosten zu meinen Lasten.
Dein Feh