Tod und Verderben

wir haben es nicht nötig

March 22nd, 2008

Man ist nun also in eine Riesenwohnung eingezogen, hat einen Job (Herr S. hat einen Job) und lag 10 Tage fast bewegungslos im Bett. Man verspürt im Zuge der sich ausbreitenden Sicherheit, Stabilität und verstreichenden Zeit gewisse Zweifel an dem young urban professional people homestyle inclusive moderner Malerei, minimalistischer Einrichtung und keiner Kinder.
Gestern, auf dem Höhepunkt meiner Zweifel, unterließ ich es für einen Tag die Haare zu waschen, zündete die Weihrauchstäbchen aus der alten Kiste an, wickelte mich in eine Decke und meditierte über dem was unter dem Label “dein neues Leben” über mir hereingebrochen ist.
Mit Heinrich Heine formuliere ich es mal so: Kann ich der Prämisse nicht widersprechen: dass alle Menschen das Recht haben, zu essen, so muss ich mich auch allen Folgerungen fügen.

Bei Heine führt diese Folgerung zu dem Schluß: In einer Welt voller Übel und Ungerechtigkeit ist es ein elitärer Luxus, sich mit seiner Poesie auf eine Insel der Seligen zurückzuziehen.

Letztlich schafft es Heine, der Karl Marx (Heines politische Schwächen werden von ihm mit Nachsicht beurteilt) nahe stand, doch nicht, ein rechter Kommunist und dienstbarer Schreiber zu werden.
Was hat das mit mir zu tun?
Mir sind die Kommunisten egal, genauso wie Heine und der Rest toter Geistesartisten.
Was mich nicht mehr ruhig schlafen läßt, ist die Frage, was ich tun kann, über den zweiwöchentlichen Besuch bei Frau Schmyk hinaus?
Selbstverständlich hat das alles mit der Fragilität meines Gewissens zu tun und dass ich als Kind meine Familie retten wollte und einen Knax habe und blablabla… was letztendlich jedem Empfänger von Hilfe scheißegal sein wird, ob ich nun astreine Motive oder ein eine unbearbeitete Megamacke hab.
Herr S. dazu sagt: Das sind Gedanken eines arbeitslosen ….
Was ich nicht bestreite.
Ich kann sehr klar sehen, dass eine alleinerziehende Mutter oder Vollzeitbeschäftigter sich einen Dreck um Afrika scheren können, weil sie abends viel zu müde sind und selber Hunger haben. Dennoch, und da bin ich mir sicher, wird auch für Herr S. der Tag kommen, an dem er arbeitslosen Fragen nachhängen kann und dann froh ist über eine so verständige und nicht verurteilende Veronika (glühende Kohlen auf sein Haupt, hehe)

Gegen Abend des gestrigen Tages kündigten sich dann sehr zaghaft ein paar Fortschritte an: Zuerst laß ich in einem Blog von Jannas Freunden und deren Freunden in Portugal, die ein Stück Land kaufen müssen und Geld brauchen. Schnell hatten wir uns überzeugt, Geld zu spenden. Dann kam Herr S. vom Müll raus bringen zurück und hatte im Trepenhaus in der Buchverschenkbox ein -Welt retten für Einsteiger- Buch gefunden, dass nur Tipps hatte, die wir eh schon fast alle befolgen, mich aber trotzdem ermutigte. Dann sprachen wir eine Weile über amnesty und er fand eine Seite namens intelligent giving, auf der einem auch wertvolle Ratschläge gegeben werden über den Umgang mit Leuten, die einen auf der Straße um Geld bitten und noch viel wichtiger: wie man was unterstützen kann auch ohne den Papiermammon. Zum Beispiel kann man für eine Afrikahilfe einen Tag in der Woche von zu Hause aus research machen oder Organisationen anfragen usw.

Denn es geht ja nicht um Geld. Überhaupt nicht. Sondern mein Leben und ob die einzelnen Handlungen aneinandergereiht etwas anderem außer meiner Selbstverwirklinchung dienen. By the way bin ich für Selbstverwirklichung und soweit ich Jesus verstehe bedeutet echte Selbstverwirklichung, ob ich will oder nicht gleichzeitig den optimalen Nutzen und Kirschblütenregen für den Rest der globalen Familie.

Ich erzähl das alles, damit ich kapier, was mir wichtig ist und daußerdem, weil ich Felix daran teilhaben lassen will.
Felix und ich haben nämlich das gleiche Problem, dass wir gern Zeitung lesen, aber ich danach immer depremiert bin und er seine Wut kriegt, die er dann in seinen Magen tut und deswegen an einem Krebs sterben wird, wenn er 40 ist.

March 21st, 2008

Marquis Posa an Don Karlos:

Sagen sie ihm/ dass er für die Träume seiner Jugend/ soll Achtung haben,
wenn er ein Mann sein wird.

March 17th, 2008

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Boris war da. 29 ausgewachsene Katzen hängen nun an der Küchenwand. In schwierigen Lebensfragen stehen sie mir mit Rat und Tat zur Seite. Besonders die dicke Rote in der Mitte, die nicht von ungefähr das Oberhaupt des Rudels ist.
Die Tibeter und mehr noch die Chinesen liegen mir schlimm im Magen und ich will gar nicht wissen, was ab heute, seit ausländische Nichtregierungsorganisationen das Land verlassen mussten, in Lhasa los ist, oder besser gesagt, ich will es wissen. Man fühlt sich scheiße als Beobachter, aber das kann noch gar nichts sein gegen das Sich scheiße fühlen, einer unterdrückten, mundtot gemachten Bevölkerungsgruppe.
Am liebsten würde ich den kompletten, in China hegestellten Krempel in meinem Haushalt aus dem Fenster werfen, aber wem nützt das? Jedenfalls nicht den paar kleinen Chinesen, die in ihrer Firma morgens um 6 zum ersten der vielen Weltanschauungsappelle ihres harten Arbeitstages antreten.
Das ist so eine verfahrene Scheiße mit großen Teilen der Welt. Und die demonstrierenden Tibeter?
Die stehen jetzt wahrscheinlich in dem Kellereingang einer abgeriegelten Strasse und denken sich `geil, im Jahr der olympischen Spiele haben wir es geschafft die Weltöffentlichkeit auf unsere Misere aufmerksam zu machen. Irgendeiner wird uns schon helfen.´
Aber wie denn?
Morgen sitzen die Demonstranten in dem Keller, der die chinesische Polizei für sie bereit hält und können nichts mehr denken.
Nachdem ich vor einer Woche gelesen hatte, dass sich die chinesische Regierung von innen heraus für Reformen ihres kommunistischen Regimes öffnet, hatte ich schon beinahe Hoffnung geschöpft.

March 14th, 2008

Habe eine Nierenbeckenentzündung. “Es unterweisen mich nachts meine Nieren” – jetzt weiß ich auch, dass der alte König David damit nicht gemeint hat, dass er und seine kleine Pipiwaschanlage Zwiegespräche über dies uns jenes führen. Von einer Niere unterwiesen zu werden bedeutet sich von 23:00-5:30 Uhr im Bett unter kontinuierlichen Krampfschüben in die Decken zu winseln. Und wo ich am Tag vorher noch tapfer ignorant jedem Ratschlag wohlgesinnter Personen höhnte, schlich ich um 8:00 des Folgenden, einem geschlagenen Hund gleich, zum Doktor, ein Haus weiter.
Glücklicherweise geriet ich bei diesem an einen Allgemeinmediziner, der nebenbei Homöopath ist, mir Fragen stellte und einige Details über Nieren erzählte, was jedem ganzheitlich behandelnden Psyochsomatikarzt das Herz hätte leuchten lassen.

Die nächsten 10 Tage Pillen, Bett und Wärmflasche, den schönen Arbeitsplan in den Ofen schieben und vertrauen, dass ich alles aufholen kann.

March 7th, 2008

Das Leer

Bitter betrübt in der Arbeitspause bei einem Kaffee entdeckt, dass ich nichts zu sagen hab.

March 2nd, 2008

Nochmal Danke an Karlsruhe wegen der Entscheidung vor ein paar Tagen und ein Filmchen,
zum Wachbleiben: gefunden bei Jonas Walfisch