Ich ess keinen Kürbis,
ich will Melonen,
mir schmecken nicht Pflaumen,
sondern Zitronen.
Es ist noch Sommer,
du verdammter Winter.
September September!-
nicht Weihnachtsdezember!
Ich ess keinen Kürbis,
ich will Melonen,
mir schmecken nicht Pflaumen,
sondern Zitronen.
Es ist noch Sommer,
du verdammter Winter.
September September!-
nicht Weihnachtsdezember!

Es ist eine Kubahitze in Godfathers Cafe, dass man sich gleich besser fühlt.
2 müde Ventilatoren bewegen schläfrig die Luft, schläfrig wie der Junge, der die Tassen einsammelt.
Die Ladenbesitzer sitzen nebenan im offenen Büro an dem schweren hözernen Schreibtisch. Das Kind der beiden schläft in dem Ledersofa nahe des Eingangs. Sehr dankbar bin ich für diesen kleinen Ort nichtdeutscher Geschwindigkeit. Er beruhigt mich in einem Ausmaß, dass ich sitzen kann, ohne lesen, grübeln, planen.
Ich denke der Reihe nach an Menschen, die ich belastend empfand und die jetzt, wo ich 10 Jahre älter bin, eine Bereicherung sind, die ich nicht missen möchte. Ob das auch rückwärts geht? Geliebte zu Gehassten und dann wieder andersrum und immer so fort wie Jahreszeiten – wie wir uns wandeln, lernen und hoffentlich nicht stagnieren und hoffentlich mehr lieben als verachten.
Unterdessen ist ein großer Käfer auf meinem Kopf gelandet.
Schwer und brummend. Sicher, weil mein Haar gut riecht, nach Nüssen und Zimt. Es ist frisch gewaschen. Das muß einem Käfer gefallen.
Ich sitze in Godfathers Cafe vor allem, weil ich meine Reisegefährten vermisse. 10 Tage französisches Familienleben und Barcelona bei Nacht. Könnte es doch immer so sein.
Die Franzosen haben nach dem Essen und Trinken gesungen, zu einem Leierkasten. Denn einer von ihnen war früher beim fahrenden Volk und hat den Kasten ins seßhafte Leben hinübergerettet.
Durchs ganze Dorf haben die Stimmen gedröhnt. Mitternacht, guckende Katzen auf den Bürgersteigen, kein Laut und Licht von den schweigenden Feldern, mittendrin die singenden Franzosen.
“Accordeon, Accordeon, Accordeon.”
Und wie immer bei Musik, die gleichzeitig froh und traurig ist, kommen einem die Tränen, der Körper wiegt sich links und rechts, wiegt Erinnerung, Wunsch und Gegenwart, wiegt damit der Streit unter diesen dreien aufhört und Versöhnung eintritt vor dem Schlaf. Das wissen die Matrosen, die Juden, die Zigeuner.
Zurückkatapultiert wurde ich, als wir auf dem Parkplatz, auf dem Bodem, neben dem offenen Bus, Brot und Oliven aßen, als hätte in einer Vergangenheit etwas von mir nie eine Heimat gehabt, nie ein Bett, eine Stadt, einen Grund. Vielleicht war es auch die Zukunft, die mich angefasst hat, denn letztlich gehe ich und dies war nur Heim, Bett und Stadt vorübergehend. Und warum ist in diesem Wissen immer Trost und mehr Freiheit als in einem spendablen Konto, hervorragender Gesundheit und einem Partner zum Vorzeigen?
Wir haben Sinti und Roma gesehen, unterwegs. Sie haben gestritten, laut geschrieen, vor ihren Wohnmobilen in Gruppen gestanden, Zeder und Mordio. Eine Sekunde dachte ich, ich könnte auch zu ihnen ins Wohnmobil steigen, dunkle Haare haben und Röcke, mitfahren – gleichgültig wohin, Lagerfeuer machen, vielleicht betteln. Ich könnte es genauso gut wie eine Wohnung haben, Arbeit, eine Szenemagazin auf dem Klo.
Die Austauschbarkeit der Gegebenheiten ist grandios. Alles ist möglich. Die Strichermädchen in Barcelona, magersüchtig in L.A., Rentierfarm vor Stockholm. Niemand hat festgelegt, wo ich geboren werde, was meine Eltern tun und unterlassen, ob die Regierung korrupt ist oder fair. Es ist einfach passiert. Dadurch bin ich geworden, wer ich bin, zu 50 Prozent oder 90 Prozent oder einem 1 Prozent?
In Barcelona lädt uns Nathalie zum Trinken in ihre Bar ein. Dann tanzen wir; Jeanne d´Arc und ich. Ganz allein. Die Bar ist leer, es ist sehr gut.
Gypsy
Pipsi
die O-Dame
und der Maler. Wie konnte es eigentlich passieren, dass ich diese guten Menschen kenne?
Das Meer war kühl am Morgen und salzig, wie es sein muß, dass einem die Lippen ein bißchen weh tun und schnell schwimmen, damit es warm wird.