Ein Selbst kann aber nur über sich selbst hinauskommen, in dem es einen Teil von sich preisgibt. (Aus Rüdiger Safranski `Das Böse´)
Das `Über sich selbst Hinauskommen Wollen´ hängt mir gehörig zum Halse raus. Ich stehe diesem Wunsch und Drang skeptisch gegenüber. Verbinde ich ihn, aufgrund eigenen Verschuldens, doch eher mit einer fraglichen Ablehnung von Limitierungen und zahllosen Fluchtversuchen nach Begegnungen mit den großen leeren Augen des kleinen Selbst.
Ob es nicht besser ist, überhaupt nichts zu wollen, nur da zu sein, Aktivismus einzustellen?
Zumindest ein Anfang.
Oder eher noch: eine Grundlage.
Auf der man sich dann vielleicht mal, nach Friedenschluss mit dem lieben Selbst, der Preisgabe des ein oder anderen Teilchens widmen kann, um jemandes willen. Darum geht es doch, oder?
Denn über sich selbst hinauskommen um über sich selbst hinaus zu kommen, …
a) wo will man denn da hin
b) mit wem will man sich denn dort unterhalten
c) das ist doch nicht der Mühe wert
Es muss also einen Nutzen haben, und der sollte, ja genau, außerhalb des eigenen Selbst liegen, unbedingt.
Für diesen schlichten Gedanken, der wohl für 2/3 der Menschheit selbstverständlich ist, habe ich nun also 28 Jahre gebraucht. Nastrovje.
Mit dem Russisch Lernen klappts sehr gut. Ich könnte allein in Moskau schon immerhin 3 Minuten überleben. Ich habe 52 Lektionen auf meinem i pod, in denen eine Anastasija und ein Chris langsam und deutlich miteinander plaudern. Heute wird es um Zeitschriften und Tageszeitungen gehen, wie man sich entschuldigt, wenn man jemand anrempelt und vielleicht auch darum, sich nie in der Nähe von Menschenrechtsanwälten aufzuhalten.
Außerdem habe ich das Bad gestrichen. Es hat geschimmelt.
Ich habe eine Bioantischimmelfarbe gekauft und alles neu gemacht.
Ich habe mich abends ganz wunderbar gefühlt.
Schlomo sagt, das ist normal, wenn man arbeitet.
Er ist ein bißchen neidisch, weil er auf doppelt so viele Wochenstunden kommt wie ich.
Das liegt aber nur daran, dass er die enorme Geistesbetätigung meinerseits nicht mit einkalkuliert, wenn er schon längst feierabendliches Hirnentleerungssurfen betreibt.
Mein Geist ist nämlich eine gewaltige Maschine, die sich wenig sagen lässt und duchaus bis nachts um Zwei die Spule drehen kann. Oder bis nachts um Drei. Ich werde dennoch mein Selbst über sich selbst hinauskommen lassen und nett zu Schlomo sein, wenn er gleich hier eintrudelt und vielleicht darf er sich dann auch im Badezimmer die Hände waschen.