Tod und Verderben

wir haben es nicht nötig

January 30th, 2009

Fast Februar

Kaum hat man gesprochen von der Arbeitslosigkeit, ist man wieder ausgestattet mit allerlei Berufen.
Die nächste Woche werde ich funktionieren wie ein Uhrwerk und kaum zum Herumschlendern vor dem Schaufenster der örtlichen Tierhandlung kommen.
Im Blumenladen des Herrn May und seiner Frau, der entsprechend deren asiatischen Stilempfindens interessant eingerichtet ist, kaufe ich alle 8 Tage eine Blume.
Odere ein paar.
Heute 4 Nelken. Lange Zeit hielt ich das, bei den Sowjets sehr beliebte und als haltbare Beamtenzimmer – und Friedhofzierde geschätzte, Gewächs für unattraktiv. Jetzt stehen die 4 Langstieligen, von Herrn May zurechtgezupft und angeschnitten, in einer passablen Vase und freuen mich gründlich.
Wie vieles, was sich ändert, wenn das achtundzwandzigste Lebensjahr ins neunundzwanzigste hinüber kippt und sich somit so gut wie  im dreißigsten befindet.
Ein alter Sack bin ich geworden; habe einen Stapel gestreifte Geschirrtücher, Salbei im Topf und Bettwäsche für acht Personen gleichzeitig. Überraschenderweise keine Beklemmung. Werde das demnach noch etwa sechzig Jahre weiter so betreiben.
Geburtstag habe ich aber erst im April.

January 27th, 2009

Der Rüdiger wieder

Ein Selbst kann aber nur über sich selbst hinauskommen, in dem es einen Teil von sich preisgibt. (Aus Rüdiger Safranski `Das Böse´)

Das `Über sich selbst Hinauskommen Wollen´ hängt mir gehörig zum Halse raus. Ich stehe diesem Wunsch und Drang skeptisch gegenüber. Verbinde ich ihn, aufgrund eigenen Verschuldens, doch eher mit einer fraglichen Ablehnung von Limitierungen und zahllosen Fluchtversuchen nach Begegnungen mit den großen leeren Augen des kleinen Selbst.
Ob es nicht besser ist, überhaupt nichts zu wollen, nur da zu sein, Aktivismus einzustellen?
Zumindest ein Anfang.
Oder eher noch: eine Grundlage.
Auf der man sich dann vielleicht mal, nach Friedenschluss mit dem lieben Selbst, der Preisgabe des ein oder anderen Teilchens widmen kann, um jemandes willen. Darum geht es doch, oder?
Denn über sich selbst hinauskommen um über sich selbst hinaus zu kommen, …
a) wo will man denn da hin
b) mit wem will man sich denn dort unterhalten
c) das ist doch nicht der Mühe wert


Es muss also einen Nutzen haben, und der sollte, ja genau, außerhalb des eigenen Selbst liegen, unbedingt.
Für diesen schlichten Gedanken, der wohl für 2/3 der Menschheit selbstverständlich ist, habe ich nun also 28 Jahre gebraucht. Nastrovje.

Mit dem Russisch Lernen klappts sehr gut. Ich könnte allein in Moskau schon immerhin 3 Minuten überleben. Ich habe 52 Lektionen auf meinem i pod, in denen eine Anastasija und ein Chris langsam und deutlich miteinander plaudern. Heute wird es um Zeitschriften und Tageszeitungen gehen, wie man sich entschuldigt, wenn man jemand anrempelt und vielleicht auch darum, sich nie in der Nähe von Menschenrechtsanwälten aufzuhalten.

Außerdem habe ich das Bad gestrichen. Es hat geschimmelt.
Ich habe eine Bioantischimmelfarbe gekauft und alles neu gemacht.
Ich habe mich abends ganz wunderbar gefühlt.
Schlomo sagt, das ist normal, wenn man arbeitet.
Er ist ein bißchen neidisch, weil er auf doppelt so viele Wochenstunden kommt wie ich.
Das liegt aber nur daran, dass er die enorme Geistesbetätigung meinerseits nicht mit einkalkuliert, wenn er schon längst feierabendliches Hirnentleerungssurfen betreibt.
Mein Geist ist nämlich eine gewaltige Maschine, die sich wenig sagen lässt und duchaus bis nachts um Zwei die Spule drehen kann. Oder bis nachts um Drei. Ich werde dennoch mein Selbst über sich selbst hinauskommen lassen und nett zu Schlomo sein, wenn er gleich hier eintrudelt und vielleicht darf er sich dann auch im Badezimmer die Hände waschen.

January 19th, 2009

Station 17

Bin wieder an einen Nebenjob geraten. In einem Pflegeheim an der Pforte. Diejenigen, die sich noch aus dem Bett fallen lassen und den Flur runterkommen können setzen sich eine Weile zu mir in den Eingangsbereich und lassen sich meinen Namen in die tauben Ohren schreien. Sehr schön.
Zweimal die Woche kommt ein Mann mit einem Hund, dann steht auf dem Veranstaltungskalender “Rex kommt zu Besuch” .
Die alten Herrschaften bekommen vom Hundebesitzer Leckerli und lassen es sich von Rex aus der Hand schlecken. Der Hund ist dementsprechend zu jedem nett und wedelt wie der Teufel und bellt nie. Eine richtige kleine Hundehure also.
Aber die Pflegefälle freut es wie Schnitzel.
Man kann furchtbar stänkernde Nachbarn haben und mobbende Arbeitskollegen und apathische U-Bahnfahrer, aber sobald ein Hund kommt gehen die deutschen Herzen auf.
Es gibt noch mehr Tiere im Heim, die muss ich bei meinem Kontrollgang füttern. Meerschweinchen, Vögel und drei Fische. Aber die menschlichen Tiere sind mir lieber.
Wenn es dunkel wird und ich alles abschließe, rollt Frau Dauer an ihrem Gehwagen den Gang entlang und bespäht mich. Das gefällt mir.
Ich frage mich, für wen sie mich hält. Die haben ja so Phantasiegestalten und verstorbene Kindern und verschollene Geliebte um sich herum, mit denen sie sprechen und verjährte Konflikte lösen.
Das will ich dann auch machen.
Insgesamt sollte man nur aufpassen mit der Diabetis, weil es schade ist, wenn man keine Hemmschwellen mehr hat und gerne nackt vor den Schwestern flieht und dann doch gefangen wird, weil man mit einem Bein nur langsam vorankommt.

January 9th, 2009

Wenn Lust und Zeit

Jeweils 30 Minuten Philosophie  -  kann gut nebenbei  mit einem Zigarettchen, wahlweise Alsterwasser oder einem Glas Gurken vernascht werden.
Die Aufmachung ist stilistisch nicht der Burner, aber erträglich wenn man den Inhalt will:  Denker des Abendlandes

January 6th, 2009

Korona

In Aufruhr in Anbetracht religiöser Ignoranz und Ignoranz überhaupt ein paar Zeilen von mir aus dem Lazarett.

Ich achte, wenn Menschen in geistlichen Angelegenheiten einen Glauben wählen. Spiritualität scheint die angemessene Behausung für unsere Seele zu sein.
Aber ich achte es nicht, wenn die gleichen Menschen in der Entwicklung ihres Geistes/ Verstandes ihren Glauben einer Erkenntnis vorziehen.
Dies wirkt als eine Art Verkrüppelung des Menschen und insbesondere seiner Fähigkeit zu erforschen, zu lernen und zu entdecken, worin er und die gegebene Welt sich befindet.
Niemals wird eine Wissenschaft unsere Seele heilen und wieder mit Gott vereinen.
Und niemals wird ein Gott uns das Geheimnis der Welt entschlüsseln, nur weil wir gläubig sind.

Es sind also, unter all den Aufgaben, denen ein Mensch in seinem Leben gegenüber steht auch diese zwei, und zwar klar unterschieden, voneinander zu betreiben:
Das Heilwerden in Gott und die Erforschung unserer/seiner Welt.

Noch etwas. In England dürfen die lieben Helfer und Freunde jetzt online Untersuchung auch schon durchführen, wenn der Chef des örtlichen Polizeibüros sagt:  “Scheint mir verdächtig.”
Hurra.
Mehr dazu beim Raben.