Tod und Verderben

wir haben es nicht nötig

February 27th, 2009

In der Bücherei Denis Diderot gefunden. Sehr gefreut. Auf einmal einen  Komplex gehabt, dass ich ich spießig bin, weil ich mich in der Bücherei aufhalte. Um den Komplex weg zu kriegen über den i pod Rage Against the machine gehört, während ich Bücher suchte.
Gemerkt, wie spießig das erst ist.
Es ganz sein gelassen und nach Hause.Vor dem Einschlafen eine graphic novel von schön gezeichneter Aussagenlosigkeit betrachtet und darüber außerordentlich getröstet worden.
Dann noch ein weniger pädophiles Manga.
Gut geschlafen.
Morgens sehr hungrig.
Lauter dumme Gedanken.

February 25th, 2009

Sollte eigentlich konstruktiv werden

Es ist nicht so, dass ich die Hälfte des Jahres unterwegs bin. Grob überschlagen nächtige ich etwa alle drei Wochen wegen einer Lesung oder der Tournee mit einer Theatertruppe nicht im heimischen Bett.  Und wenn ich dann in Hotels, Pensionen und diversen Landgasthöfen meinen Koffer auspacke beschäftige ich mich überwiegend mit abendfüllenden Gedanken zu den Herren und Damen, die mit einem innenarchitektonischen Auftrag vor fünfzehn, zehn oder fünf Jahren dies Zimmer in Angriff nahmen.
Wer waren diese Menschen?
Was hat sie bewegt?
Waren sie wütend?
Wenn ja, auf wen?
Auf mich?
Wahrscheinlich.
Weshalb sonst sitzt man, als fünfunddreißig jähriger Jung-Innenarchitekt am Zeichenbrett, krakelt ein paar asymetrische Vierecke aufs Papier und schlendert anschließend über die Möbelmesse, um einige Hundert  Kleiderschränke aus braunscheckigem Marmor mit Oberleistenkante in türkisfarbenem Kunstholz zu bestellen?
Und warum hat der werte Besitzer des 700 Betten Komplexes in Frankfurt oder die Frau des Wirts in Bad Aibling nicht Einhalt geboten?
Wie konnte es geschehen, dass in Dutzenden Unterkünften in Deutschland Gardinen vor den Fenstern hängen, auf denen miteinander schnäbelnde Papagaien dargestellt sind?
Weshlab kamen zahllose, augenscheinlich an ihrem Leben zerbrochene Raumausstatter in den Neunzigern auf die Idee, dass schwarze Beistelltische mit Lampenschirmen aus Goldimitat, Abhilfe schaffen werden?
Und warum, um alles in der Welt, in jedem zweiten Zimmer ein Kunstdruck von Franz Marc? Ich hasse Franz Marc. Er konnte nicht malen, okay? Seine blauen Pferde und gelben Rinder haben uns nichts Gutes getan. Er hat es nicht verdient, in den wenigen angenehmen Tagen, in denen jemand unser Bett macht, Kaffee kocht und das Bad putzt, mit seiner Halbfertigkeit von den Wänden auf uns herunterzulachen.
Bitte entfernt diesen Mann.
Nehmt doch Chagall, von mir aus auch den Kuss von Klimt und wer gar nichts weiß, kann sich im Mc Donalds inspirieren lassen: ein Blick auf die Skyline von New York.
Und kommt mir nicht mit dem Argument, dass ihr für Geschmack kein Geld habt.
Ihr habt Geld.
Ich hab kein Geld. Deswegen weiß ich trotzdem, dass karrierte Polstersessel auf geblümten Teppichen allenfalls interessant wirken. Auf den ersten Blick.

February 17th, 2009

Neue Möglichkeiten der Moderne

Während der Nazi-Diktatur haben die Institutionen bewiesen, wozu sie imstande sind. Sie haben geleistet, was Gehlen von ihnen erwartet hat:  Sie entlasten den Einzelnen von moralischen Reflexionen und verwandeln das Verbrechen in einen Arbeitsvorgang, der schließlich mit Routine erledigt werden kann. (Das Böse oder das Drama der Freiheit, Rüdiger Safranski)

February 16th, 2009

Transkaukasische Pappel

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Im Botanischen Garten den Sonntag verbummelt. War nichts zu sehen von Blumen, wegen dem Schnee. Deshalb erspriesliche Stunden mit den Namen der Gewächse zugebracht. Nach kurzer Zeit das System kapiert und möchte jetzt auch Blumenbenenner werden.
Besonderen Spaß  machen die Gräser, die ein Botaniker mit der Wahl des Namens gedemütigt hat:
Hundskamille,
Sockenblume,
langgriffeliger Scheinwaldmeister.
Die neumodischen Namen sind auch im Pflanzenreich nicht mein Fall. Hört sich alles nach Kevin und Mandy an:
Star Wars,
Funny,
Blue Peter.

Ein Herr Carl von Linne ‘ hat mir den Gefallen getan und alle 9000 Gesträucher, die er in seinem Leben ausgemacht hat, in einem Ordnungsprinzip kategorisiert. Dieses Prinzip untergliedert beispielsweise Blumen anhand der Anzahl ihrer Staubfäden. Die Erfahrung, dass dies, beim Angraben einer französischen Blumenverkäuferin, zu erwähnen wenig hilfreich ist, hat aber schon der auswandernde Heinrich Heine gemacht. Er wurde belehrt:  Es gibt nur zwei Arten Bumen; stinkende und nicht stinkende.

Ich schließe mit dem Hinweis, dass ich eine stattliche Flatterulme gesichtet habe, auch auf eine Tellerhortensie aufmerksam wurde und seit heute verstehe, dass man ungefähr alles was grünt Rhododendron mascula rufen kann. Und wenn man sich nicht sicher ist, ist mascula nie falsch.

Den Zugang zu meinem Herzen fanden allerdings nur zwei Angehörige der unter Schnee schlummernden Flora: Die Deutsche Schwertlilie und Der Vergängliche Mohn

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February 2nd, 2009

Der Friede ist bloß eine regulative Idee.
Man kommt ihm näher, wenn man handelt, als wäre er möglich.
Die Zuversicht (verbunden mit realitätstüchtiger Klugheit) ist dabei eine Voraussetzung für das wenigstens zeitweilige Gelingen. (nach Kant)