In Tel Aviv am Flughafen rennt eine Person mit ausgebreiteten Armen, rennt, japst: Naomi.
Der Bus bringt uns nach Jerusalem; schüttelt uns die Hügel rauf, runter, etwas knallt wie ein Schuß gegen die Scheibe. Der Fahrer hält, sieht nach: “Ha ha, eine Taube oder so. Kleiner Schreck, haha.” Ich denke an Babel. Weiter gehts. In ihrer WG schlafen wir tief, dann die Altstadt. Naomi ist eingewoben in Jerusalem; dunkelroter Garn in einem dicken Teppich. Wieselt die hunderttausend Treppen entlang, feilscht um 5 Schekel, ihr langer Rock flattert, Naomi trägt einen Rock? Schon fluten die Menschenmassen heran. Eine Gasse aus Gewürzbergen. Ich dachte: Jerusalem= gepflegte Zerschossenheit. Jetzt gehört es doch in die Bilderwelt nach Marrakesch. Es ist eng, ständig Berührung, Schieben. Marktschreiende Händler, konstant Fruchttabak rauchende alte Männer sitzen links rechts am Boden, verkaufen blutiges Fleisch, Pfefferminze, Tücher.
Die jüdischen Soldatinnen sind überall, stützen sich auf ihre MG`s , lachen, Kippe zwischen den Finger, Sonnenbrille, heiß und kalt wie Kinostars. Um die 30 000 Katzen müssen in dieser Stadt leben. Viele blind von den erbitterten Straßenkämpfen um den Fetzen Huhn vor dem Metzgerladen. Die Palästinenser schreien uns nach, sagen Unflätigkeiten in unser Gesicht, mangels Kopfhaarbedeckung sind wir bei ihnen unten durch. Plötzlich die Klagemauer. Ein Volk von schwarzgekleideten Juden wippt; Oberkörper vor, Oberkörper zurück, betet. -Um was?
Eine Jüdin neben mir weint, drückt das Buch in ihr Gesicht. Sie ist jung. Ich verstehe nicht. Dann weine ich auch. Warum?
Nachts wird getanzt- ach so- es ist Purim. Wodka fließt aus den Mundwinkeln der Menschen, überall. Die Männer tanzen, sie sind total verrückt. Es ist sehr wild. Es ist schön.
Löcher in den Bauch frage ich den Musiker im Cafe, die Flughafenangestellte, den Ultraorthodoxen. Naomi hat einen Standpunkt und ich habe nichts. Wir streiten uns. Ist das Streiten? Wenn man redet und nicht auf einen Nenner kommt? Wahrscheinlich nicht. Das Tote Meer kristallisiert meine Haut mit Salzkruste. Die Wüste faltet unsere Lippen. Sand Stein Sonne. Ein Esel schlackert mit den Ohren, grast, guckt, grast.
Am Abend auf dem Dach lesen wir und rosa schlängelt sich der Verkehr über die Hügel um uns herum. Warum haben wir in Europa eigentlich keine flachen Dächer? Da geht doch Lebensraum verloren. Ich muß nach Hause. Ich will nicht. Was mache ich hier?
4 Tage einen Klos im Hals.
1 Flasche Wein für Jona.
Safran für Arne.
Arabic Cafe für F.
Ingwer für Jordi.

oohhh. das hört sich sehr schön an. am liebsten wäre ich auch dort.
atmo gut eingefangen.
atmo. lustig. dachte erst, du wolltest – atom gut eingefangen schreiben. oder atem.
1994 waren wir auch da – sind ohne israelische Begleitung auf den Sinai und dann kreuz und quer durchs Gebirge wieder abgestiegen.
Unsere Stadtführerin im Hotel fiel fast in Ohnmacht angesichts der Guerillatruppen in den Bergen, die uns naive Touris doch glatt übersehen haben, während wir an Elias Kapelle vorbei hinter dem Magdalenenkloster den Abstieg wagten.
Später sind wir auch mal auf eigenes Risiko nach Bethlehem rein – Pulverfass. Fühlten uns wie Freiwild. Waren froh, dass keiner den gemieteten Reisebus mutwillig zerstört hat und zahlten den Wächterjungs ein überdimensionales Trinkgeld…
danke. würde dich und Hr. S. gerne bald wiedersehen.
wieso hinterlässt du auf joes blog eine nachricht für mich?
habe ich keinen eigenen?
??
heute sagte mir eine frau: es wäre nicht das verstehen so wichtig, sondern das empfangen. ich finde es schön, wenn man soviel gefühl und vertrauen hat, um das zu können. so oft schiebt sich der verstand zwischen den wunsch nach hingabe und dem empfangen. veronika, schön, dass du noch lebst. ich finde es gut, dass naomi ihren standpunkt hat und dass ihr gestritten habt. das habt ihr nämlich wahrscheinlich doch. einen freigeist macht kein gedanke angst, aber er stimmt deswegen trotzdem nicht immer zu.
der eintrag ist schön tut weh und gut….danke so sehr das du da warst…wie war deine premerie….das leben hier wird immer intensiver…
warum wirds intensiver? die premiere war gut.
war dankbar, dass es nicht schlimm ins gewicht fiel, dass ich die proben verpaßte.